Chinesen verlieren Bonität, wenn Sie Eltern nicht besuchen

Deutschland ist vermutlich der Bürokratie-Staat Nummer 1 auf dem Planeten. Besonders dann, wenn es um Finanzen geht. Wer hierzulande einen Kredit haben möchte, ist hinsichtlich der Bonität einigen Regeln und Voraussetzungen unterworfen. Ein Anlass, zu recherchieren, wie es in anderen Ländern der Welt, explizit China an dieser Stelle, aussieht. Eine zumindest recht ungewöhnliche Regelung dort ist, dass man seine Eltern besuchen muss, um die Bonität aufrecht zu erhalten.

China Bonität GroßelternSucht man nur einmal nach den Worten “Bonität Kredite China”, erscheint auf der ersten Seite ein Suchergebnis zu einem Artikel des Manager-Magazins, der genau das besagt. Wer in Shanghai als eine der größten Städte Chinas seine Eltern nicht besucht, erhält irgendwann auch keine Kredite mehr. Dabei handelt es sich um eine für unsere Breitengrade mehr als ungewöhnliche Regelung. Doch es gibt eine einfache Erklärung für diese Regel, die in Shanghai erlassen wurde. Einer der wichtigsten Bestandteile der konfuzianischen Kultur – der Leitkultur in China – ist die Moral, dass man sich um seine Eltern und Familie zu kümmern hat. Hier verschmelzen also tiefe gesellschaftliche Wurzeln mit der finanziell und wirtschaftlich starken Ost-Supermacht.

Regelung auch in Deutschland denkbar?

China Bonität FamilieLaut dem Manager Magazin-Artikel leben in Shanghai über 4,5 Millionen Menschen über 60 Jahre, die Zahl steigt rapide. Vor der Regelung war es so, dass Eltern sich bei den Kindern beschweren konnten, sie würden nie besucht und vernachlässigt werden. Jetzt können Eltern rechtmäßig einen Schritt weitergehen und das Kind verklagen. Die Folge davon wäre dann sowas wie ein negativer SCHUFA-Eintrag in Deutschland, um es kurz zu machen.

Interessant ist diese Regelung definitiv, denn in Deutschland müssen Kreditnehmer rein wirtschaftlich verankerte Voraussetzungen erfüllen, um einen Kredit zu erhalten. Die Bonität, die übrigens jeder einfach und kostenlos selbst prüfen kann (Bonitätsprüfung), ist lediglich an sicheres Einkommen, übersichtliche Bank- und Kreditkartenkonten, sowie eine gute Zahlungsmoral bei Rechnungen und Raten gebunden. Die Eltern sollten zwar hin und wieder auch in Deutschland besucht werden, aber Auswirkungen auf die Bonität hat es nicht, wenn der Besuch ausbleibt.

Ob so eine Regelung wie in Shanghai auch in Deutschland denkbar wäre, ist höchst fraglich. Wie bereits erwähnt, hat die Bonitätsregel ihre Wurzeln in den Tiefen der gesellschaftlichen Kultur. Es war in China nie anders, dass die alten Eltern und die Familie von den Kindern geehrt und gepflegt gehörten. Was aber dort in Fernost ebendiese kulturelle Moral ist, ist in Deutschland eine andere Kultur. Die stark religiöse Gesellschaft kommt dem noch am nächsten, aber eine für alle einheitliche Kulturregel wäre schwierig durchzusetzen.

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Chinas kulturelle Identitätssuche 1840 – 1949

Werner Meissner erörtert im Aufsatz “Kulturelle Identitätssuche von 1840 bis 1949”, erschienen im Länderbericht China, Chinas Nationalstaats- und Identitätsbildung in der ereignisreichen Zeitepoche zwischen 1840

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